Das (s)kul(p)turelle Fischwunder
Eine Geschichte für die Fische
von Siegmund Kleinl

Mein Heimatfisch, mein Heimatsee mit Österreich verwundert über den unauslaichbaren Tourismusstrom, der uns speist, als wären wir ein ausgekochtes Netzwerk weltweiter Wirtschaftszieleinsgebiete. So schön, schon wär es Zeit, sich aus dem faden Kreuz als Getroffene, die sich von der verflossenen EUphorie betroffen fühlen, herauszuspinnen oder, bis weit über dem Hals im Wasser stehend, nach Luft zu schnappen wie fliegende Fische oder Wale, statt wie ein Najo (Jona) im Walbauch zu sitzen und aufs Ausgespieenwerden zu warten.

Dick ist ein Mörbischer Operettenfisch, der im Margarethener Sandstein seine sedimentären Opernspuren hinterlässt wie überall, weil es ein publikumswürgsamer Spurfisch ist, der immer spurt, wenn ein Infashionär überfallsartig "High"! (Hai) ruft. Hey, wie da alles fidelt und geigt und tanzt um den bronzenen Fisch, der sich antickesirrend ICHTHYS buchstarbiert, urchristliche Glaubensformel zum geheimen Erkennen jener, die zum Herrn gehörten: Kyrie eleison! Und im neunzigsten Jahr des Landes zum Emblem emblemiert für die Sache jeder Tat: dass alles für die Fische ist. Alles, was aus maulig großem Mund eine noch größere Zukunft herausverspricht, sodass die vielen kleinen gierig weit offenstehen vor erwarnungsfronlockendem Staunen.

Was sein soll, wollen wir nicht haben, weil wir haben müssen, statt sein können zu dürfen. Was haben wir schon in der Hand? Einen Fisch haben wir und halten ihn hoch als Fisch, der für die Fische ist, ein großer Solidaritäter für die vielen kleinen. Halten ihn hoch und werfen ihn in ein Mehr oder Weniger an Wissen wie Wiesen, Hügeln wie Flügeln, Wäldern wie Geldern, Dörfern wie Mördern, Straßen wie Stressen, Bächen wie Zechen, Fischen wie Klische(e)n.

Me(e)hr Burgenland schwimmt auf einer neunzigjährigen Welle, die im Feuer euphorischer Feierlichkeit überschwappt und in diesem Überschnappen von heimischen Gerichten geschnappt und verschnabuliert wird. Wenn sich dieses Land eine einheimische Suppe einbrockt, muss es eine Bohnensterzsuppe sein, damit sie auch selbsthändig mit größter Begeisterungstüchtigkeit ausgelöffelt werden kann.

Ein solches Gericht ist wie eine Neusiedlerseefisch- oder südburgenländische Raabtalsuppe eine hartgestählte Nebelbrühe, die in wilder Umstrittenheit die realistischen Sichtweisen verdebattiert. Nur ein starkes Herz, oder was einem solchen unverwechselbar gleicht, hält so viel kiemenkalische Luftveratmung aus, wie sie ein stinkender Fischkopf aus den konservierten Abfälligkeiten einer kirchlichen Leutseligkeit abendglockenromantisch durch Dorfstädte sprechblasenfräst.

Der Müll, der aus den Fernsehgräten sich herausskelettiert, bekommt vom coolen Fischauge eine intransportable Abfuhr, sodass er wie eine unerkannte Gräte im Hals steckenbleibt. Der Hals wiederum entspricht der Form einer Flasche, die zum Fisch aus Leitha, Wulka, Güns, Lafnitz, Rabnitz, Raab, Pinka und Strem sowie aus dem Neusiedlersee, Zicksee, Neufelder See, Rauchwarter See und aus den fischreichen Teichen des Landes Weißwein heraussprudelt, dass bald kein Fischschwanz mehr weiß, in welchen Winzermund er mit seinen Floskeln rudern soll.

Die Bootschaft, mit der ein sich freischwimmender FischtransSport durch den entgrenzten IstMuss des Landes tourt, kann nur wie eine emailglänzende Bronzefischschrift ins Netz gehen: Neunzig Fischjahre sind laichend den Bach hinuntergegangen - und wie viele davon gegen den Strom geschwommen?, fragt ein frechmäuliger Jungschwanzfisch mit orientierungsschwacher Navigationsfloskel, die sich im unerfahrenen Fahrwasser treiben lässt. Keine, quillt es in unaufgeblasenen Bläschen aus den Fischmäulern hervor, die sich nicht auftun wollen, weil sonst eine unentsicherte Bombe in sie hineinstrudeln könnte, die den bombensicheren Landesfisch einer Zerreißprobe auslieferte.

Und wo käme ein gegossener Fisch oder gar viele hin, wenn ihm die bronzenen Schuppen vor die wasserdichten Augen fielen und er erkennen müsste, dass er alles nur noch verschwommen sieht, weil er sich verschwommen hat? Wir kleinen Fische wissen es nicht, sagt der Schwarm der neunzig, die durch das Land schwärmen, von dem sie gerne, kultstatuetikettierte Kulturfische, die sie sind, als Kulturland schwärmen würden. Zum Glück kann ihnen kein Wasser abgegraben werden, weil sie längst dehydrierenden putschetären Verfahrensweisen zum Opfer gefallen sind. Dass sie, in mitleutloser Selbstmetamorphose in Fische verwandelt, bejubiläumt wie hart erfochtene Bronzemedaillen, dennoch nicht biotot sind, sondern biotop, ist ein Fischwunder, wie es seit biblischen Zeiten nicht mehr geschehen ist.